Blitzschlag ins Telekom-Internet
Am 31. August 2004 - Blitzschlag in der Nachbarschaft
Wenn Ihr Internet (wie bei uns) am Telefonkabel hängt, müssen Sie mit Schäden durch
Blitzschlag rechnen. Zweimal hat der Blitz in zwei Jahren bei uns eingeschlagen. Und immer sind
auch Telekom-Komponenten kaputt, aber die Telekom spurt nicht. Deshalb hier ein paar Tipps.
- Ich zieh' immer den Stecker 'raus
- Welchen Stecker, bitte? Wenn es etwas nützen soll, dann müssen Sie das Telefonkabel bei
aufziehendem Gewitter vor dem ersten Elektronikbauteil auftrennen. Wenn Sie
ISDN haben also vor dem NTBA, wenn Sie DSL haben sogar vor dem DSL-Splitter. Denken Sie daran, dass Sie
in diesem Fall auch die Telefonverbindung kappen. Für einen solchen Blitzschutz müßte
auch stets jemand im Haus sein. Kann man da mit Opto-Kopplern nicht einen
besseren Schutz bekommen? - Aber so eine kurze optische Strecke überbrückt der
Blitz wahrscheinlich doch. Oder wäre der Internet-Anschluß über Glasfaser auf
Dauer nicht doch billiger? Einer Glasfaser kann der Blitz überhaupt nichts
anhaben, denn die leitet keinen Strom sondern Licht. Wir haben hier in
Norderstedt unsere Stadtwerke, die unter "wilhelm-tel.de" als
Hochgeschwindigkeits-Provider fungieren. Legen die eigentlich Kupfer oder
Glasfaser ins Haus?
- Was soll schon kaputt gehen?
- Wenn Sie DSL haben, dann geht zumindest der DSL-Splitter kaputt. Wenn Sie kein DSL haben,
dann geht wahrscheinlich der NTBA kaputt. Und wenn Sie noch einen der ersten NTBAs ohne Blitzschutz
haben, dann ist nach dem Blitzschlag wahrscheinlich ihre Telefonanlage und ihre ISDN-Karte im Computer auch
hin. Bei uns hat es vor zwei Jahren auch noch zwei weitere Steckkarten im Computer sowie das Mainboard gehimmelt.
Auch wenn Sie selbst schon einige Computer zusammengebaut haben kostet das dann leicht 500 € - und sie
brauchen eigentlich alle Komponenten zweimal damit Sie herausfinden können, was noch funktioniert. Da ist man gut dran,
wenn man auch beruflich einige Computer laufen hat und zyklisch tauschen kann.
- Seit dem Gewitter ist das Internet weg
- (Dann können Sie diese Hinweise ja gar nicht mehr recherchieren - paradox, nicht?)
Wenn das Telefon noch geht, dann hat es wahrscheinlich nur den DSL-Splitter erwischt. Der hat sich dann für
Ihren NTBA und die dahinter liegenden Komponenten geopfert. Aber machen Sie das einmal den Mitarbeitern der
Telekom klar! Nehmen Sie den Splitter von der Wand und schütteln
Sie ihn. Rappelt da was? - Dann hat es zumindest einen der Eingangskondensatoren so heftig erwischt, dass
er zerplatzt ist. Nun haben Sie ein sehr gutes Argument um einen neuen Splitter zu bekommen.
Aber auch wenn der gesunde Menschenverstand Ihnen sagt, dass es mit allergrößter
Wahrscheinlichkeit den Splitter erwischt hat - Sie werden die Telekom-Mitarbeiter
nur schwer überzeugen konnen, denn die arbeiten (wie die meisten Unternehmen
in Deutschland seit 20 Jahren - fassen wir uns an die eigene Nase!) nicht
mehr nach den Gesetzen von Logik und Effektivität, sondern nach dem Gesetz
der kurzsichtig-absoluten Kostenminimierung. Seit den 80er Jahren nennt
man das "Teamgeist", wenn der Einzelne keine Verantwortung mehr übernimmt,
sondern das Problem wie eine heiße Kartoffel von Kollege zu Kollege reicht
und so mehr Verwicklung erzeugt als er auflöst. Aber wie soll man auch
Verantwortung übernehmen, wenn man gar nicht mehr verstehen will, wie unsere
technische Welt funktioniert? Kümmern wir uns 'mal wieder darum! Das macht
viel mehr Spaß als seine Freizeit zu maximieren und dann darin nach dem
letzten Kick zu suchen.
Ein durch Blitzschlag zerstörter DSL-Splitter. Einer der beiden Kondensatoren (gelber Pfeil) ist zerplatzt. Die
beiden Teile der Hülle sowie der Wickel aus Alufolie und PVDF-Folie rappeln "im Karton" und künden vom Ableben
des Splitters. Der zweite Kondensator (roter Pfeil) ist nur etwas aufgeplatzt, hat aber gebrannt (Schmauchspur).
- Ich hab' so ein DSL-Modem mit vielen Blinklichtern
- Gratuliere, dass Sie nicht so eine Einbaukarte mit integriertem DSL-Modem wie die "FritzCard DSL"
gekauft haben, das Ihnen gar nichts signalisiert. Dann klemmen Sie das Modem 'mal ab, testen ob es ohne DSL-Leitung die richtigen Signale
gibt, klemmen die DSL-Leitung an und schauen, ob das Modem nach der "Trainingsphase" das DSL-Signal erkennt.
Wenn ja, dann ist ja alles paletti. Anderenfalls ...
- Da ruf' ich doch bei der Störungsstelle an
- Bei der 0800 330 2000 sind sie richtig. Ihr DSL-Modem sollte eingeschaltet sein. Wenn Sie so eine
FritzCard direkt im Computer stecken haben, dann sollte der Computer eingeschaltet sein. Sie geraten entweder an
eine ungeschulte Servicekraft oder direkt an einen Techniker. Der Techniker wird sofort
eine Ferndiagnose durchführen.
Dann wird er Ihnen sagen, dass von der Seite der Telekom (von oben) alles in Butter sei, er aber ihr DSL-Modem nicht erreichen kann
und im Sinne der Kostenminimierung diagnostizieren, dass es wahrscheinlich Ihr DSL-Modem erwischt habe.
Den Splitter (als passives Bauteil) kann er ja auch gar nicht testen. Erklären
Sie ihm, dass Ihr DSL-Modem läuft und das Blinken einer Leuchtdiode anzeigt,
dass das Modem kein DSL-Signal sieht. Außerdem rappelt es im DSL-Splitter.
Bitten Sie den Techniker, Ihnen einen neuen Splitter zu schicken.
- Ihr Telekom-Techniker bastelt noch lieber als Sie
- .. und sagt Ihnen, Sie könnten Ihr externes DSL-Modem auch direkt vor dem Splitter anschließen und nachsehen,
ob denn vor dem Splitter das DSL-Signal noch da sei. Dann fragen Sie ihn, ob sie wirklich mit Lötkolben und Drähten oder
einem selbstgebastelten Adapter TAE auf Western-Stecker hantieren sollen. Aber für einen langweiligen Winterabend
kann man sich den Adapterbau vielleicht vormerken.
- Aber ich habe kein externes DSL-Modem
- Und im DSL-Splitter rappelt es auch nicht? - Dann müssen Sie wohl ein DSL-Modem kaufen und damit die Leitung von
unten testen. Sie können natürlich auch die Telekom kommen lassen - Der Techniker bringt dann auch so ein Modem mit,
testet die Leitung, verschwindet mit dem Modem - und sie bezahlen für den Techniker mehr als für ein eigenes Modem mit
Blinklichtern. Sie können den DSL-Splitter natürlich auch öffnen und die
Kondensatoren durchsehen. Wenn diese keine äußeren Zerstörungsspuren zeigen,
werden sie sie durchmessen müssen. Zum Öffnen des "Kartons" muss man die
Haltezungen durch die Schlitze von der Wandseite her wegbiegen. Mir sind sie
abgebrochen, weil ich vorher gar nicht wußte wo ich ansetzen sollte.
- Ich habe jetzt einen Splitter angefordert
- Mit wem haben Sie gesprochen? Merken Sie sich die Namen. Wenn es eine Telefondame war, dann kommt sie nach
dem Auflegen (aufgrund des Kostenminimierungsprinzip und des Teamgeistes) auf
die Idee, vor dem Versenden eines DSL-Modems wieder einen Techniker
einzuschalten. Wenn Sie also statt eines Splitters im Briefkasten eine
Mitteilung auf dem Anrufbeantworter finden, dann erklären Sie dem Techniker
noch einmal ganz genau, warum Sie jetzt nicht nur mit großer Wahrscheinlichkeit,
sondern mit Sicherheit einen neuen Splitter brauchen. Wenn er das dann
einsieht, den Störungsfall abschliessen will weil ja alles klar ist und der
Splitter ja unterwegs sein müßte, dann dringen Sie darauf, dass er sich
noch einmal versichert, dass der Splitter tatsächlich unterwegs ist. - Denn
Frau Service hat den Splitter natürlich noch nicht losgeschickt, weil
sie meinte, es könne noch 'mal ohne Belastung für ihre Kostenstelle ausgehen
wenn sie den Fall an die Technik weiterschiebt.
- Der Techniker bestätigt die Absendung des Splitters
- Prima. Jetzt erteilen Sie ihm die Absolution. Er darf den Störungsfall abschließen, und erleichtert teilt er
ihnen mit, dass da "in Ihrer Gegend am Dienstag ja Einiges kaputtgegangen"
sei. - Da bisse baff. Bis grade ebent war doch noch allet töfte mitti Telekom
inne Gegend, oder binnich plemplem? (Tschulligung - in so Situationen kommt
den alten Skrzypek sein Ruhrpott-Deutsch imma widda duich)
- Im Briefkasten finden Sie die Rote Karte von der DHL
- Tja, jetzt sind es nur noch ein paar Schritte zur Paketausgabe und zum
Splitter. Dann endlich - zwei Minuten später: TAE-Stecker umgesteckt,
DSL-Phasen umgeklemmt - funktioniert das Internet wieder. Auch wenn die
neuen Splitter kleiner sind: Die Bohrlochabstände wurden nicht geändert
(Kompliment!) - und hat das beim Abnehmen des alten Splitters nicht
verdächtig gerappelt? - Also, das hätte ich gleich prüfen sollen!
- Ergebnis
- Es hätte auch mehr als 9 Tage dauern und noch mehr Zeit verschlingen können.
Billiger als beim ersten Blitzschlag war es allemal - trotz der 90 € für das
DSL-Modem. Und der zerplatzte Kondensator ist ein schönes Bild
für die Vorlesung: Einsatz von Kunststofffolien (hier: Polyvinylidenfluorid,
PVDF, -[-CH2-CF2-]n- ) in technischen
Bauteilen. Übrigens, das Gehäuse des Splitters ist aus einem schlagzähen
Kunststoff namens ABS - Ein Drei-Block-Copolymeres, bei dem jeweils Ketten von
drei verschiedenen Kunststoffen aneinandergeknüpft sind. "A" steht für
das Polyacrylnitril, "B" für Polybutadien und "S" für Polystyrol. Sie wissen doch,
dass Kunststoff-Moleküle aus vielen ("Poly") gleichartigen Bausteinen ("Monomere")
zu Ketten zusammengefügt sind. Das ABS-Molekül sieht so wie eine Fischgräte
aus, wobei eine Polybutadienkette das Rückgrat bildet. Die "aufgepfropften"
Quergräten sind aus "S" und "A" Bausteinen aufgebaut. Polybutadien -
Bunawerk - künstlicher Gummi. Deshalb splittert das Gehäuse nicht sofort,
wenn Sie versuchen es mit dem Schraubenzieher aufzuhebeln um nach den üblen
Folgen des Blitzschlags zu suchen.